Zwei Mitglieder des internationalen Netzwerks „Gerechtigkeit für Sankara Gerechtigkeit für Afrika“ hatten dem Präsidenten der französischen Nationalversammlung Claude Bartolone und allen Abgeordneten zwei Schriftstücke vom 30. April und vom 5. Mai 2015 übergeben, die eine parlamentarische Untersuchung der Todesumstände Sankaras fordern, eines von 25 Abgeordneten des burkinischen Übergangsrates und eines vom Vorsitzenden der parlamentarischen Gruppe der zivilgesellschaftlichen Organisationen im Namen der 25 Mitglieder der Gruppe.

Claude Bartolone betont seinen Wunsch, dass „Licht in diese Sache gebracht werde„, und lehnt gleichzeitig die Einleitung der parlamentarischen Untersuchung mit den Begründungen ab, dass „eine solche Untersuchungskommission keinerlei Möglichkeit hätte, Untersuchungen in einem anderen Land anzustellen“ und dass „der juristische Prozess, der jetzt in Burkina eröffnet ist“ ihm „das geeignetste juristische Instrument für die Suche nach den Schuldigen“ scheine.

Die Kommentare des internationalen Netzwerkes lauten:
– Die Details zur Ermordung Patrice Lumumbas wurden 2001 mit Hilfe einer parlamentarischen Untersuchung in Belgien bekannt – ein Mord, der nicht auf belgischem Boden stattfand.
– Etliche Zeugen weisen auf eine Beteiligung Frankreichs am internationalen Komplott hin, dem Sankara zum Opfer fiel. Die Wahrheit hierüber muss also gleichzeitig mit der Untersuchung in Burkina Faso in Frankreich gefunden werden.
– Nur eine bereits stattfindende gerichtliche Prozedur ist nach den Regeln der französischen Nationalversammlung ein triftiger Grund, eine parlamentarische Untersuchung nicht durchzuführen. Eine solche Prozedur läuft nicht.

In Folge der Exhumierung der mutmaβlichen Gebeine von Thomas Sankara und seinen Gefährten und des Treffens seiner Witwe Mariam Sankara mit Abgeordneten der Nationalversammlung haben zahlreiche französische Presseorgane die Möglichkeit einer französischen Beteiligung am internationalen Komplott aufgegriffen (auf Französisch: http://thomassankara.net/?p=1775 und http://thomassankara.net/?p=1787).

Es ist höchste Zeit, dass Frankreich sein Versteckspiel vor seiner folgenschweren Vergangenheit in Afrika aufgibt. Die politischen Führer dieses Landes werden nicht müde, zu betonen, wie wichtig ihnen die guten freundschaftlichen und kooperativen Beziehungen mit Burkina Faso sind. Die Freundschaft mit diesem Land und seinen Bewohnerinnen und Bewohnern hängt zukünftig vom erkennbaren Willen ab, sich selbst zur Möglichkeit der französischen Mitschuld an diesem Mord zu befragen, was eine parlamentarische Untersuchungskommission am besten leisten könnte. Frankreich muss aufhören, vorzugeben, es sei nicht betroffen. Das wäre eines der besten Mittel, „Licht in diese Sache zu bringen„.

Das internationale Netzwerk „Gerechtkeit für Sankara Gerechtkeit für Afrika“ wird hier nicht verweilen und neue Initiativen ergreifen, auf dass die Wahrheit über die mögliche Beteiligung Frankreichs an diesem Mord bekannt werde.

Unterdessen rufen wir auf:
– die Abgeordneten der Nationalversammlung, die den Antrag zur Einleitung einer parlamentarischen Untersuchung zur Ermordung Thomas Sankaras und seiner Gefährten unterzeichnet haben, und die anderen Abgeordneten, die wir bitten, es ihnen gleichzutun,
– alle Freundinnen und Freunde Burkina Fasos und alle Personen, die für Gerechtigkeit einstehen, die Petition für die Einrichtung der parlamentarischen Untersuchungskommission zur Aufklärung der Todesumstände Sankaras und seiner Gefährten und der Rolle Frankreichs in diesem Komplott zu unterzeichnen und zu verbreiten: change.org

In Paris, Ouagadougou, Dakar, Berlin, Madrid, Ottawa, Turin, am 11 Juli 2015

Das Internationale Netzwerk „Gerechtigkeit für Sankara Gerechtigkeit für Afrika“

Kontakt: contactjusticepoursankara(at)gmail.com

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